Catharina van Hemessen, Selbstbildnis an der Staffelei, 1548: Das erste weibliche Selbstbildnis

Es ist das älteste bekannte Beispiel für ein Selbstporträt " an der Staffelei " , eine Stilübung, die von sehr berühmten Malern ( Rembrandt, Van Gogh, Caillebotte, Magritte ... um nur einige zu nennen) im Laufe der Zeit oft wiederholt wird . sie!). Wir entdecken eine selbstbewusste Frau , die uns mit allen Zeichen einer blühenden Kreativität beobachtet : Staffelei, Palette, Spachtel, antike Großbuchstaben und kreuzförmig angeordnete Pinsel.
Kein Zweifel: Diese Frau ist mächtig!






Vincent van Gogh, Selbstporträt mit dem verbundenen Ohr, 1889: Das Ungewöhnlichste

Wie man sich ikonischen Selbstporträts nähert, ohne Van Gogh zu erwähnen! In zehn Jahren Arbeit entstanden über 43 Selbstporträts des niederländischen Malers , eines erhabener und absurder als das andere.

Dieses Selbstporträt aus dem Jahr 1889 ( ein Jahr vor seinem Tod ) entstand nach den tragischen Ereignissen in Arles . Am 23. Dezember 1888 brach ein Streit mit seinem Freund und Kollegen Paul Gauguin aus . Von Wut ergriffen und in einem fortgeschrittenen Rauschzustand verlässt Van Gogh die Werkstatt und wandert durch die Stadt, bevor er in einem bekannten Bordell strandet. Mit einer Rasierklinge bewaffnet, beschließt er, sein Ohr abzuschneiden , um es Rachel, einer von ihm geschätzten Prostituierten, als Reliquie anzubieten



 Frida Kahlo, Selbstporträt mit abgeschnittenem Haar, 1940: Das Intimste

Von den 150 Gemälden, die sie in ihrem Leben schuf, gibt es mindestens 55 Selbstporträts .
Der Hauptzweck dieser Selbstdarstellungen war es , die verschiedenen Tumulte ihres Daseins auszudrücken , da ihr Leben eine Prozession von Tragödien und Unglücken war : Verkehrsunfall, Fehlgeburten, ehelicher Schiffbruch, Eifersuchtskrisen, Alkohol- und Alkoholprobleme. .

Felix Nussbaum, Selbstbildnis mit jüdischem Pass, ca. 1943: Das dramatischste


Dieses Selbstporträt von 1943 respektiert keinen der Kodizes der traditionellen Selbstdarstellung . Wir entdecken dort einen Mann, der uns so nahe ist, dass es uns möglich ist, seine Barthaare in einer nicht statischen Position zu sehen: er nimmt den Betrachter mit , in einer Flucht, die zu nichts zu führen scheint als die Aussicht auf eine unpassierbare Mauer . Zwei Elemente liefern uns den Kontext: Auf der rechten Schulter des Models, unterhalb des Mantelkragens, den er wie um auf uns hinweisen wollte, entdecken wir einen Davidstern , ein Symbol für die Stigmatisierung der Juden während der Nazi-Unterdrückung . In seiner rechten Hand hält er einen Pass, auf dem die Aufschrift „ JUFF – JOOD “ zu lesen ist. Zweifellos stehen wir den Gräueltaten des Zweiten Weltkriegs in Begleitung eines Mannes gegenüber, der wegen seines Glaubens und seiner Zugehörigkeit verfolgt und willkürlich eingesperrt wird.




Der norwegische Maler und Grafiker Edvard Munch (1863–1944) war einer der bedeutendsten Künstler der Moderne. Sein äußerst bewegender Umgang mit psychologischen Themen stützte sich auf einige der Hauptprinzipien des Symbolismus des späten 19. Jahrhunderts und beeinflusste den deutschen Expressionismus zu Beginn des 20.

In den über 60 Jahren seines künstlerischen Schaffens hat sich Edvard Munch immer wieder selbst porträtiert. Doch etwa 40 der 70 Porträts sind in der Zeit nach 1900 entstanden. Gerade in diesen Porträts setzt sich Munch zunehmend mit der eigenen Vergänglichkeit auseinander.

Ausein­an­der­set­zung mit dem eige­nen Ich

Trotz­dem sind Edvard Munchs Selbst­bild­nisse weit entfernt von jener vermeint­li­chen Authen­ti­zi­tät, die als unre­flek­tier­tes Gefühl den direk­ten Weg auf die Lein­wand findet. Ganz im Gegen­teil: Statt eine unmit­tel­bare Abbil­dung zu schaf­fen, expe­ri­men­tiert Munch so lange mit Farben und Moti­ven, bis er das künst­le­risch opti­male Ergeb­nis gefun­den hat.


Dabei ist es wohl kein Zufall, dass ein Groß­teil aller Selbst­bild­nisse in der Zeit nach 1900 entstan­den sind: schwere Krank­hei­ten und die Erfah­rung der eige­nen Vergäng­lich­keit im zuneh­men­dem Alter sind Aspekte, mit denen sich Munch vermehrt ausein­an­der­setzt.





Dem Tod von der Schippe gesprun­gen

Seinen mehr­mo­na­ti­gen Aufent­halt in einer Nerven­kli­nik macht der Maler ebenso zum Thema wie die Erkran­kung mit der Spani­schen Grippe, die ihn um 1918/1919 heim­suchte. Im Gegen­satz zu Millio­nen von Opfern welt­weit ist der norwe­gi­sche Maler dem Tod knapp von der Schippe gesprun­gen. Auch dieses Erleb­nis zeigt Edvard Munch mit einer scho­nungs­lo­sen Offen­heit im „Selbst­por­trät mit Spani­scher Grippe". Der Maler sitzt neben seinem Kran­ken­bett auf einem Stuhl, einge­hüllt in mehrere Decken. Seine gelb­lich-blasse Gesichts­farbe verschwimmt mit der dahin­ter liegen­den Wand, seine Haltung ist schwach und kraft­los, sein Mund steht offen. Edvard Munch fragte einen norwe­gi­schen Kunst­samm­ler, ob er den Geruch und die Verwe­sung auf diesem Bild nicht förm­lich riechen und spüren könne. Und in diesem Bild zeigt sich auch der Triumph des Über­le­ben­den: Indem er seine Krank­heit, seine Schwä­che und Kraft­lo­sig­keit auf die Lein­wand bringt, bietet er dem Tod die Stirn.






Vincent van Gogh (1853–1890) und Edvard Munch (1863–1944) - zwei Giganten der Kunst im späten 19. und beginnenden 20. Jahrhundert - werden in einer Ausstellung erstmals (!) einander gegenübergestellt. Schon auf der legendären Sonderbundausstellung in Köln 1912 wurden sie als „Väter der modernen Kunst“ gefeiert.1 Heute wird der eine für die Befreiung der Farbe und seinen dynamischen Pinselstrich verehrt (→ Vincent van Gogh. Gezeichnete Bilder), während der andere die dunkle Seite der Liebe, Angstzustände, Krankheit und Tod ergiebig erforschte. Beide Künstler kamen aus der protestantischen Mittelschicht und begannen sich 1880 mit Kunst zu beschäftigen. Beide litten an psychischen Problemen, an denen der eine zerbrach, und von denen sich der andere kurieren ließ. Jeder auf seine Weise erforschte revolutionäre Zugänge in Malerei und Druckgrafik bzw. Zeichnung, die für die Entwicklung des Expressionismus wichtig wurden. Was und vor allem wie viel beide miteinander verband, macht die Kooperationsausstellung aus Oslo und Amsterdam sichtbar.

Vincent van Gogh Selbstportrt als ein Maler 188788 l auf Leinwand 651  50 cm Van Gogh Museum AmsterdamVincent van Gogh, Selbstporträt als ein Maler, 1887–88, Öl auf Leinwand, 65,1 × 50 cm, Van Gogh Museum, Amsterdam.

Edvard Munch Selbstportrt in Ekely 1926 l auf Leinwand 90  68 cm Privatsammlung NorwegenEdvard Munch, Selbstporträt in Ekely, 1926, Öl auf Leinwand, 90 × 68 cm, Privatsammlung, Norwegen.



Kunst als Kommunikationsmittel

Sowohl Van Gogh als auch Munch entwickelten in der zweiten Hälfte der 1880er Jahre in Paris, Südfrankreich und Norwegen ein Konzept von Kunst als Kommunikationsmittel des Künstlers mit dem Publikum. Anstelle einer realistischen, naturgetreuen Wiedergabe ging es ihnen um die Vermittlung von Gefühlen und Temperamenten mit Hilfe sämtlicher bildgenerierender Mittel (Farbe, Zeichnung, Komposition, Motiv). Nur wenn der Künstler, so waren sich beide einig, mit ganzem Herzen beteiligt war, wenn er eine Landschaft durch „die schrecklichen menschlichen Leidenschaften“ (Van Gogh) hindurch wahrnahm (bei Munch aus der Erinnerung heraus), dann könne das Werk funktioniere


Selbstbildnisse

Weiters war das Porträt für beide Maler ein wichtiger Träger für die Zustände des modernen Lebens.

Die große Anzahl von Selbstbildnissen in ihren Œuvres ist eine weitere Übereinstimmung und wurde bereits früher mit der Produktion von

Rembrandt van Rijn

 in Zusammenhang gebracht. Wenn Van Gogh die übermenschlichen, kreativen Aspekte einer Künstlerseele hervorstreichen wollte, so war Munch mehr ein Suchender und Posierender. I




E. Munch Vater des ersten Selfies




die Ehre des ersten Selfies in der Geschichte der Menschheit dem Briten Joseph Byron (1847 – 1923) zugeschrieben. 1909 war es, als er auf einem Dach stehend die Kamera auf sich selbst hielt, abdrückte und viel Geduld bewies. Weniger bekannt ist jedoch, dass schon ein Jahr zuvor, also 1908, Edvard Munch ein Selfie erstellte. Munch war gerade in Dr. Jacobsens Klinik in Kopenhagen eingeliefert worden, nachdem er sich, an einer Psychose leidend, hoffnungslos betrunken hatte. Das Bild zeigt nun den Maler, wie er auf dem Krankenbett liegend, die Kamera am ausgestreckten Arm von sich weg hält.


im Herbst 1908, wies sich Edvard Munch selbst in eine Nervenklinik in Kopenhagen ein, nachdem er Stimmen gehört hatte. Im Frühling 1909 fühlte er sich viel besser und sehnte sich nach seiner Arbeit. Andere Quellen sagen, dass er Bipolar gewesen sei.


„Die Natur ist nicht allein das mit den Augen Wahrnehmbare – Sie umfasst auch die inneren Bilder der Seele – Bilder auf der Rückseite des Auges.“ (Edvard Munch)